Am Ende des Jahres kommt er – der Moment, in dem du deinem Finanzamt erklären musst, was du verdient hast. Als Selbstständiger oder Freiberufler machst du das mit der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Die gute Nachricht: Sie ist deutlich einfacher als eine vollständige Buchhaltung. Und mit dem richtigen Tool erstellt sie sich sogar fast von allein.
Was ist die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)?
Die EÜR (auch: Einnahmen-Überschuss-Rechnung, offiziell: Anlage EÜR) ist die einfachste Form der Gewinnermittlung in Deutschland. Du ermittelst deinen Gewinn nach einer simplen Formel:
Betriebseinnahmen
− Betriebsausgaben
= Gewinn (oder Verlust) Dieser Gewinn wird dann in deine Einkommensteuererklärung (Anlage G für Gewerbetreibende oder Anlage S für Selbstständige/Freiberufler) übertragen und versteuert.
Die EÜR ist nach dem Zufluss-Abfluss-Prinzip aufgebaut
Das bedeutet: Du erfasst Einnahmen, wenn das Geld auf deinem Konto eingeht – nicht wenn du die Rechnung geschrieben hast. Und Ausgaben, wenn du sie bezahlt hast – nicht wenn sie fällig werden.
Beispiel: Du schreibst eine Rechnung im Dezember 2025, der Kunde zahlt im Januar 2026 → Diese Einnahme zählt für die EÜR 2026, nicht für 2025.
Wer muss eine EÜR machen?
Vorteile
- Freiberufler: Ärzte, Anwälte, IT-Selbstständige, Texter, Designer, Coaches
- Gewerbetreibende mit Jahresumsatz unter 800.000 € oder Gewinn unter 80.000 €
- Kleinunternehmer (§ 19 UStG)
- Nebenberuflich Selbstständige
- Studenten mit Nebentätigkeit
Nachteile
- Kaufleute, die im Handelsregister eingetragen sind
- Unternehmen mit Umsatz über 800.000 € oder Gewinn über 80.000 €
- GmbHs und UGs (hier ist Bilanzierung Pflicht)
- Personengesellschaften (OHG, KG) ab bestimmten Größen
Was gehört in die EÜR? Alle Positionen erklärt
Die offizielle EÜR-Vorlage des Finanzamts (Anlage EÜR zur Einkommensteuererklärung) gliedert sich in mehrere Bereiche:
Betriebseinnahmen
Alle Einnahmen aus deiner selbstständigen Tätigkeit:
- Umsätze aus Rechnungen (wenn bezahlt)
- Anzahlungen von Kunden (wenn eingegangen)
- Private Entnahmen von Betriebsvermögen
- Sonstige betriebliche Einnahmen (z.B. Fördergelder, Erstattungen)
Wichtig für Kleinunternehmer: Du trägst deine Einnahmen ohne MwSt. ein, weil du keine erhebst.
Betriebsausgaben (Auswahl)
Alle Ausgaben, die betrieblich veranlasst sind:
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Bürokosten | Miete, Strom, Internet, Büromaterial |
| Hardware & Software | Laptop, Smartphone, Buchhaltungstool |
| Fahrtkosten | 0,30 €/km pauschal oder tatsächliche Kosten |
| Bewirtung | 70% abzugsfähig bei Geschäftsessen |
| Weiterbildung | Kurse, Bücher, Fachliteratur |
| Versicherungen | Berufshaftpflicht, Berufsunfähigkeit |
| Personalkosten | Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuer |
| Abschreibungen (AfA) | Für Wirtschaftsgüter über 800 € netto |
| Sonstiges | Bankgebühren, Rechts-/Steuerberatungskosten |
GWG-Grenze 2026: 800 € netto
EÜR 2026 Vorlage: So sieht sie aus
Das Finanzamt stellt keine eigene “EÜR Vorlage” als Word- oder Excel-Datei bereit – du gibst die EÜR direkt in deine Einkommensteuererklärung über Elster ein. Aber für die eigene Übersicht lohnt sich eine einfache Struktur:
Mini-EÜR Vorlage für Selbstständige (Übersicht)
EÜR 2026 – [Dein Name / Deine Firma]
=== BETRIEBSEINNAHMEN ===
Umsatzerlöse (alle bezahlten Rechnungen): XX.XXX,XX €
Sonstige Einnahmen: X.XXX,XX €
─────────────────────────────────────────────────────────
Summe Einnahmen: XX.XXX,XX €
=== BETRIEBSAUSGABEN ===
Büro- und Raumkosten: X.XXX,XX €
Hardware & Software: X.XXX,XX €
Fahrtkosten: X.XXX,XX €
Weiterbildung: X.XXX,XX €
Versicherungen: X.XXX,XX €
Sonstige Ausgaben: X.XXX,XX €
─────────────────────────────────────────────────────────
Summe Ausgaben: XX.XXX,XX €
=== ERGEBNIS ===
Gewinn / Verlust: XX.XXX,XX € Tipp: Diese vereinfachte Übersicht hilft dir, den Überblick zu behalten. Die offizielle Einreichung beim Finanzamt erfolgt über die Anlage EÜR in Elster.
EÜR automatisch erstellen: So funktioniert es
Manuell eine EÜR zu erstellen bedeutet viel Arbeit: Alle Rechnungen zusammensuchen, alle Ausgabenbelege kategorisieren, Zahlen addieren, ins Finanzamtsformular übertragen.
Mit kostenlose-erechnung.de Business Plus geht das automatisch:
- Einnahmen werden aus deinen erstellten und bezahlten Ausgangsrechnungen automatisch erfasst
- Ausgaben werden durch den KI-Belegscan automatisch erkannt, ausgelesen und kategorisiert
- Die EÜR in Echtzeit zeigt dir jederzeit deinen aktuellen Gewinn
- Am Jahresende exportierst du alle Daten per DATEV-Export für deinen Steuerberater – oder überträgst sie manuell in Elster
EÜR automatisch mit kostenlose-erechnung.de
Schluss mit Excel-Tabellen: Mit dem Business Plus-Plan siehst du deine EÜR in Echtzeit – KI-Belegscan, DATEV-Export und automatische Kategorisierung inklusive.
EÜR selbst ausfüllen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du die EÜR ohne Steuerberater machen willst, gehst du so vor:
Schritt 1: Einnahmen sammeln
Sammle alle Rechnungen, die im Jahr 2026 bezahlt wurden (Zufluss-Prinzip):
- Exportiere alle bezahlten Rechnungen aus deinem Rechnungsprogramm
- Überprüfe dein Geschäftskonto auf Zahlungseingänge
- Vergiss keine Anzahlungen oder Teilzahlungen
Schritt 2: Ausgaben kategorisieren
Sortiere alle Ausgabenbelege nach Kategorien:
- Nutze die KI-Belegerkennung (Business Plus) oder kategorisiere manuell
- Beachte die Besonderheiten (Bewirtung nur 70%, GWG-Grenze 800 €)
- Privat und betrieblich klar trennen
Schritt 3: In Elster eintragen
Rufe deine Einkommensteuererklärung in Elster.de auf. Wähle „Anlage EÜR” und trage die Summen der verschiedenen Kategorien ein.
Alternativ: Übergib alle Daten per DATEV-Export an deinen Steuerberater – er überträgt die EÜR dann in die Steuererklärung.
Schritt 4: Abgabe-Deadline nicht vergessen
Die EÜR wird als Anlage zur Einkommensteuererklärung eingereicht:
- Ohne Steuerberater: Bis 31. Juli des Folgejahres (also 31.07.2027 für das Steuerjahr 2026)
- Mit Steuerberater: Bis Ende Februar des übernächsten Jahres (verlängerbare Frist)
Häufige Fehler bei der EÜR – und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Private Ausgaben als Betriebsausgaben absetzen Das ist Steuerhinterziehung. Nur Ausgaben, die ausschließlich oder überwiegend betrieblich veranlasst sind, dürfen in die EÜR.
Fehler 2: Rechnungsdatum statt Zahlungseingang erfassen Die EÜR basiert auf dem Zufluss-Abfluss-Prinzip: Du erfasst den Moment der Zahlung, nicht den Moment der Rechnungsstellung.
Fehler 3: Belege nicht aufheben Alle Ausgaben musst du mit Originalbelegen nachweisen können. Ohne Beleg: kein Abzug. Aufbewahrungspflicht: 8 Jahre (für Belege ab 2025).
Fehler 4: Abschreibungen falsch berechnen Hardware über 800 € netto wird über die Nutzungsdauer abgeschrieben (z.B. Laptop: 3 Jahre). Nicht den vollen Betrag im Kaufjahr absetzen.