Es ist an der Zeit. Deine Kosten sind gestiegen, du hast mehr Erfahrung als vor zwei Jahren, und am Markt zahlen vergleichbare Freelancer deutlich mehr. Trotzdem zögerst du. Weil du Angst hast, Kunden zu verlieren.
Diese Angst ist verständlich – aber in den meisten Fällen unbegründet. Dieser Ratgeber zeigt dir, wann eine Preiserhöhung berechtigt ist, wie du sie richtig kommunizierst und was du tust, wenn ein Kunde nein sagt.
Wann ist eine Preiserhöhung als Freelancer berechtigt?
Kurze Antwort: Deutlich öfter, als die meisten Freelancer denken. Hier sind gute Gründe:
- Inflation: Die Lebenshaltungskosten sind gestiegen – dein Stundensatz sollte mitziehen
- Erfahrung: Du lieferst heute bessere Ergebnisse schneller – das hat einen Preis
- Marktniveau: Der Markt zahlt mehr als vor 2 Jahren – du solltest mithalten
- Auslastung: Wenn du Aufträge ablehnen musst, ist dein Preis zu niedrig
- Neue Skills: Du hast dich weitergebildet und bietest mehr Wert
Die Faustregel
Wie viel Preiserhöhung ist realistisch und marktgerecht?
Orientiere dich an diesen Richtwerten:
| Situation | Empfohlene Erhöhung |
|---|---|
| Reguläre Anpassung (alle 12–18 Monate) | 5–10 % |
| Nach bedeutender Weiterbildung oder Spezialisierung | 15–25 % |
| Starke Unterbewertung im Vergleich zum Markt | 25–50 % (Schritt für Schritt) |
| Neukunden | Sofort zum neuen Satz |
Tipp: Neukunden bekommst du immer zum aktuellen Preis. Für Bestandskunden empfiehlt sich eine Übergangsphase mit dem alten Satz (z. B. noch 3 Monate), um die Beziehung zu schonen.
→ Stundensatz korrekt berechnen: Stundensatz berechnen als Freelancer
Das richtige Timing: Wann du den Kunden ansprechen solltest
Gute Zeitpunkte:
- Am Ende eines abgeschlossenen Projekts (positiver Abschluss als Basis)
- Beim Jahresgespräch oder Quartalsgespräch
- Mindestens 4–8 Wochen vor Wirksamkeit der neuen Preise
- Wenn du gerade besonders gute Ergebnisse geliefert hast
Schlechte Zeitpunkte:
- Mitten in einem laufenden Projekt mit Deadline
- Direkt nach einem Fehler oder Konflikt
- Per WhatsApp oder mündlich (immer schriftlich!)
So formulierst du die Preiserhöhung: Mit Muster-E-Mail
Hier ist ein bewährtes E-Mail-Template, das respektvoll und klar ist:
Betreff: Anpassung meiner Konditionen ab [Datum]
Hallo [Vorname],
ich hoffe, es geht dir gut. Die Zusammenarbeit mit dir macht mir große Freude, und ich freue mich auf die kommenden Projekte.
Im Rahmen meiner jährlichen Überprüfung meiner Konditionen möchte ich dich über eine Anpassung meines Stundensatzes informieren, die ab dem [Datum] wirksam wird.
Mein neuer Stundensatz beträgt ab dann: [neuer Betrag] € netto/Stunde (bisher: [alter Betrag] € netto/Stunde).
Grund für die Anpassung: [kurze, ehrliche Begründung – z. B. gestiegene Betriebskosten, Marktanpassung, neue Qualifikationen].
Alle laufenden Projekte und bereits vereinbarten Aufträge führe ich selbstverständlich noch zum bisherigen Satz durch.
Ich würde mich freuen, unsere Zusammenarbeit auf dieser Basis fortzusetzen. Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen, [Dein Name]
Kürze, Klarheit, Zuversicht
Wie du mit Ablehnung und Verhandlung umgehst
Szenario 1: Der Kunde akzeptiert kommentarlos Das passiert öfter, als du denkst. Gute Kunden wissen, dass Qualität ihren Preis hat.
Szenario 2: Der Kunde möchte verhandeln Bleibe ruhig und sachlich. Du kannst einen Kompromiss anbieten:
- Kleinere Erhöhung jetzt, Rest in 6 Monaten
- Neuer Preis ab sofort für neue Projekte, alter Preis noch für laufendes
- Rabatt bei langfristiger Bindung (z. B. Retainer)
Szenario 3: Der Kunde lehnt ab und möchte kündigen Das ist okay. Kunden, die bei einer angemessenen Preiserhöhung abspringen, sind oft nicht die Kunden, mit denen du langfristig wachsen willst. Nutze die frei werdende Zeit für besser zahlende Auftraggeber.
Vorteile
- Erhöhung trägt sich selbst – weniger Stunden für gleichen Umsatz nötig
- Professionelles Auftreten stärkt das Ansehen beim Kunden
- Kunden, die akzeptieren, sind langfristig bessere Partner
- Neukunden-Preiserhöhung sofort wirksam – ohne Risiko
Nachteile
- Manche Kunden springen ab – das sollte einkalkuliert sein
- Zu schnelle oder zu hohe Erhöhungen können Vertrauen schädigen
- Schlechtes Timing kann gute Kunden unnötig verärgern
Neue Preise korrekt in Rechnungen umsetzen
Wenn die Erhöhung in Kraft tritt, muss deine Rechnungsvorlage aktualisiert werden. Achte auf:
- Neuer Stundensatz in der Positionsbeschreibung
- Datum klar angeben (ab welchem Datum gilt der neue Preis)
- Kein Mix von altem und neuem Satz in derselben Rechnung (außer explizit vereinbart)
Mit kostenlose-erechnung.de aktualisierst du dein Profil einmalig – alle neuen Rechnungen verwenden automatisch den aktuellen Satz. Im Business-Plan werden Kundendaten gespeichert, sodass du Folgerechnungen in Sekunden erstellst.
Neue Rechnung mit aktuellem Preis erstellen
Passe deinen Stundensatz an und erstelle sofort die erste Rechnung mit dem neuen Honorar. Kostenlos und ohne Anmeldung.
FAQ: Preiserhöhung als Freelancer
Wie oft darf ich als Freelancer meinen Stundensatz erhöhen?
Muss ich die Preiserhöhung ankündigen oder kann ich sie einfach auf der nächsten Rechnung stehen haben?
Was ist, wenn ich mich nicht traue, den neuen Preis zu nennen?
Darf ich für denselben Kunden verschiedene Preise für verschiedene Leistungen haben?
Fazit: Preiserhöhungen sind Teil des Freelancer-Handwerks
Wer nie seinen Preis erhöht, arbeitet in ein paar Jahren für weniger als früher – inflationsbereinigt. Eine regelmäßige, gut kommunizierte Preisanpassung ist kein Angriff auf die Kundenbeziehung. Sie ist ein Zeichen von Professionalität und Selbstbewusstsein.
Dein nächster Schritt: Prüfe, wann du das letzte Mal deinen Stundensatz erhöht hast. Falls es mehr als 18 Monate her ist – es ist Zeit.
Erste Rechnung mit neuem Honorar schreiben
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Weiterführende Ratgeber: