Mautanteil weiterberechnen Frachtrechnung 2026: Toll-Collect, §10 UStG, BAG

Mautanteil weiterberechnen Frachtrechnung 2026: Toll-Collect, §10 UStG, BAG

Dennis Bär

Maut auf einer Frachtrechnung ist nie nur ein Betrag mit einem Sternchen am Ende. Sie ist eine steuerrechtliche Entscheidung pro Auftrag: Wird sie als durchlaufender Posten nach §10 Abs. 1 Satz 5 UStG verauslagt – dann ist sie steuerfrei und mindert die USt-Bemessungsgrundlage – oder wird sie kalkulatorisch in den Frachtpreis eingerechnet – dann ist sie Teil der Frachtleistung und unterliegt voll der USt. Falsche Wahl produziert in beide Richtungen Schaden. Bei einer 480-€-Maut auf einer 1.800-€-Frachtleistung bedeutet die falsche kalkulatorische Behandlung 91 € weniger Marge oder bei Steuerprüfung eine Nachzahlung in derselben Höhe pro Auftrag.

Die Maut ist 2026 weiterhin nach Bundesfernstraßenmautgesetz (BFStrMG) für Lkw über 3,5 t zGG fällig, seit Juli 2024 auf einen erweiterten CO₂-Aufschlag umgestellt. Toll-Collect rechnet monatsweise ab, BAG (Bundesamt für Logistik und Mobilität) kontrolliert. Wer als Spediteur die Maut korrekt in der Frachtrechnung abbildet, kennt drei Punkte: die Pillar-Logik aus dem Ratgeber Speditionsrechnung Pflichtangaben HGB, die Steuerrechts-Voraussetzungen für den Durchlauf und die praktische Belegführung gegenüber BAG und Finanzamt.

In rund 9 Minuten haben Sie: den steuerrechtlichen Unterschied Durchlauf vs. kalkulatorisch, die Voraussetzungen für die Durchlauf-Variante nach §10 Abs. 1 Satz 5 UStG, die BAG-Kontroll-Logik, zwei vollständige Beispielrechnungen (Maut als Durchläufer, Maut kalkulatorisch eingerechnet) und eine Entscheidungs-Hilfe, wann welche Variante wirtschaftlich besser ist.


§10 Abs. 1 Satz 5 UStG: Was die Durchlauf-Variante voraussetzt

Der Wortlaut von §10 Abs. 1 Satz 5 UStG: “Nicht zum Entgelt gehören Beträge, die der Unternehmer im Namen und auf Rechnung eines anderen vereinnahmt und verausgabt (durchlaufende Posten).”

Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  1. Fremdes Namen: Der Spediteur zahlt die Maut nicht für sich, sondern für den Auftraggeber. Vertragsrechtlich bedeutet das: Vereinbarung mit dem Auftraggeber, dass die Maut für ihn ausgelegt wird.
  2. Fremde Rechnung: Der Spediteur darf keinen Aufschlag, keine Marge auf die Maut nehmen. Original-Beleg von Toll-Collect = Originalbetrag auf der Rechnung.
  3. Getrennt ausgewiesen: Die Maut steht auf der Rechnung als separater Posten “Maut Durchlauf”, nicht als Bestandteil des Frachtpreises.

Wenn alle drei erfüllt sind, geht die Maut steuerfrei durch. Bemessungsgrundlage USt = Frachtpreis ohne Maut. Auftraggeber bekommt die Maut 1:1 weiterberechnet, Spediteur hat keinen Steueraufwand auf den Maut-Anteil.

Wenn auch nur eine Voraussetzung fehlt, gilt die Maut als Kostenbestandteil der Fracht – sie unterliegt voll der USt 19 %. Bei einer 480-€-Maut sind das 91,20 € USt auf eine Position, die wirtschaftlich keinen Mehrwert generiert.

Kalkulatorische Eingrechnung ist nicht 'schlecht', nur teurer
Die kalkulatorische Variante ist **rechtlich einwandfrei** – sie ist die Standard-Methode in der deutschen Spedition. Der Maut-Betrag fließt in die Frachtkalkulation ein, der Frachtpreis steigt entsprechend, USt 19 % wird auf den Gesamt-Frachtpreis berechnet. Der Auftraggeber hat höhere Vorsteuer (kein Nettoeffekt im Vorsteuerabzug), der Spediteur hat höhere USt-Schuld. Wirtschaftlich neutral für beide bei vorsteuerabzugsberechtigten Auftraggebern – nur Cashflow-Effekt. Bei nicht-vorsteuerabzugsberechtigten Auftraggebern (Privatkunden, Kleinunternehmer §19) ist die Durchlauf-Variante teurer für den Spediteur (höhere USt-Belastung) und wirtschaftlich nachteilig für den Auftraggeber (zahlt 19 % auf die Maut).

Wann lohnt sich die Durchlauf-Variante?

Wirtschaftlich sinnvoll bei:

  • Nicht-vorsteuerabzugsberechtigten Auftraggebern (Privatkunden, Kleinunternehmer §19, gemeinnützige Vereine ohne Vorsteuerabzug): Die 19 % USt auf die Maut sind echte Mehrkosten – Durchlauf erspart das.
  • Großen Volumen-Maut-Anteilen (über 25 % des Auftragswertes): Spürbarer Cashflow-Effekt, bessere Margen-Transparenz für den Auftraggeber.
  • Internationalen Aufträgen mit verschiedenen Länder-Mautanteilen: Klarheit über tatsächliche Maut-Belastung pro Land erleichtert spätere Verrechnung.

Wirtschaftlich neutral / nicht lohnend bei:

  • Vorsteuerabzugsberechtigten B2B-Kunden (deutscher Großkunde, vorsteuerabzugsfähig): Kalkulatorisch oder Durchlauf wirtschaftlich gleich, kalkulatorisch ist einfacher in der Buchhaltung.
  • Kleinen Maut-Anteilen (unter 5 % des Auftragswertes): Aufwand für Durchlauf-Belege übersteigt Steuervorteil.
  • Pauschalverträgen ohne genaue Maut-Zuordnung: Durchlauf-Variante setzt nachvollziehbare Maut-Zuordnung pro Auftrag voraus.

Wer als Spediteur eine einheitliche Hauspolitik wählt (alles kalkulatorisch oder alles Durchlauf), erspart sich Diskussionen mit Kunden und Buchhaltung. Hybrid (Privatkunden Durchlauf, B2B kalkulatorisch) ist möglich, aber Verwaltungsaufwand höher.


Toll-Collect: Wie die Abrechnung läuft

Toll-Collect rechnet Maut monatlich ab. Der Spediteur erhält:

  • Sammelrechnung pro Fahrzeug oder Flotte
  • Detail-Auflistung pro Strecke, Datum, Uhrzeit, Mautstrecke, Achsklasse
  • CO₂-Aufschlag separat ausgewiesen (seit Juli 2024)

Wer die Durchlauf-Variante nutzen will, muss die konkreten Mautbeträge pro Auftrag aus dieser Sammelrechnung herauslesen können. Die Toll-Collect-Software erlaubt das per Buchungsauftrag oder Frachtbrief-Verknüpfung. Manuelle Zuordnung ist möglich, aber bei großen Flotten kaum praktikabel.

Bei der kalkulatorischen Variante reicht eine grobe Schätzung des Maut-Anteils pro Strecke: km-Strecke × Mautsatz/km (typisch 0,15-0,32 €/km abhängig von Achsklasse und Schadstoffklasse). Diese Schätzung fließt in die Kalkulation, die genaue Toll-Collect-Abrechnung wird zur internen Kontrolle, nicht zur Auftraggeber-Rechnung.

Die Maut-Sätze 2026 (Bundesfernstraßen) nach Schadstoffklasse:

AchsklasseEURO VI mit CO₂-Klasse 1EURO VI CO₂-Klasse 5EURO V und schlechter
4 Achsen (40-Tonner)ca. 0,225 €/kmca. 0,325 €/kmca. 0,365 €/km
5+ Achsenca. 0,235 €/kmca. 0,335 €/kmca. 0,375 €/km
2 Achsen (Sprinter ab 3,5 t)ca. 0,115 €/kmca. 0,165 €/kmca. 0,195 €/km

(Exakte Sätze bei Toll-Collect, hier Orientierungswerte.)

Wer als Spediteur die Schadstoffklasse-Optimierung verfolgt (Flottenwechsel auf EURO VI mit niedriger CO₂-Klasse), spart 30-40 % Maut. Das ist 2026 die wirtschaftlich größte Stellschraube neben Diesel-Preis.


Beispielrechnung 1: Maut als Durchlauf-Posten

Eine Spedition transportiert für einen Kleinunternehmer (§19 UStG, kein Vorsteuerabzug) eine Komplettladung von Stuttgart nach Hamburg, 690 km. Die Maut wird als Durchläufer abgerechnet, weil der Kleinunternehmer keine Vorsteuer abziehen kann.

Rechnung Nr. 2026-501 vom 13. April 2026

Auftraggeber: Bio-Manufaktur Schulze (Kleinunternehmer §19 UStG) Hauptstr. 14 70173 Stuttgart

Transportauftrag: Komplettladung Naturkost-Vollsortiment, 8 EUR-Paletten, 4.200 kg, Stuttgart → Hamburg, 11.04.2026

Pos.BeschreibungMengeEPSumme
1Fracht Stuttgart → Hamburg (690 km, 4-Achs-Sattel EURO VI CO₂-Kl. 1)1 Auftr.1.380,00 €1.380,00 €
2Verladung Stuttgart (Stapler + Personal, 1 h)1 Psch.145,00 €145,00 €
3Entladung Hamburg (Stapler vor Ort, 0,5 h)1 Psch.95,00 €95,00 €
4Treibstoff-Floater April 2026 (BAG-Index)1 Psch.38,00 €38,00 €
Frachtleistung netto1.658,00 €
Umsatzsteuer 19 % (auf Frachtleistung)315,02 €
Zwischensumme Frachtleistung brutto1.973,02 €
5Maut durchlaufender Posten §10 Abs. 1 S. 5 UStG (Original Toll-Collect-Beleg Nr. TC-2026-04-11-89377, 690 km × 0,2255 €/km)1 Psch.155,60 €155,60 €
(keine USt auf Durchläufer)
Gesamtbetrag Rechnung2.128,62 €

Hinweis Durchläufer: Die Maut in Höhe von 155,60 € wird im Namen und auf Rechnung der Bio-Manufaktur Schulze an Toll-Collect verauslagt. Es handelt sich um einen durchlaufenden Posten nach §10 Abs. 1 Satz 5 UStG, der nicht zum Entgelt der Frachtleistung gehört und keiner Umsatzsteuer unterliegt. Der Originalbeleg Toll-Collect Nr. TC-2026-04-11-89377 ist als Anlage beigefügt.

Hinweis Auftraggeber-Status: Die Bio-Manufaktur Schulze ist Kleinunternehmer nach §19 UStG (keine Vorsteuerabzugsberechtigung). Daher die Durchlauf-Variante zur Vermeidung einer USt-Belastung auf die Maut.

Anlagen: Toll-Collect-Beleg (Original), CMR-Frachtbrief.

Was hier sauber läuft: Maut explizit als Durchläufer benannt, §10 Abs. 1 S. 5 UStG zitiert, Originalbeleg referenziert, Auftraggeber-Status (§19) genannt, Maut steht separat unter der Zwischensumme (nicht innerhalb der Frachtleistungs-Position).


Beispielrechnung 2: Maut kalkulatorisch eingerechnet

Dieselbe Spedition transportiert für einen großen B2B-Kunden (vorsteuerabzugsberechtigt) eine Komplettladung von Köln nach München, 580 km. Hier ist die Maut kalkulatorisch eingerechnet – Standard-Variante.

Rechnung Nr. 2026-505 vom 13. April 2026

Auftraggeber: Industrie GmbH Müller Hauptstr. 80 80939 München USt-IdNr.: DE234567890

Transportauftrag: Komplettladung Maschinenteile, 11 EUR-Paletten, 8.200 kg, Köln → München, 12.04.2026

Pos.BeschreibungMengeEPSumme
1Fracht Köln → München (580 km, 4-Achs-Sattel EURO VI CO₂-Kl. 1) – inkl. kalkulatorischer Maut, Treibstoffanteil und Wartezeitpuffer1 Auftr.1.480,00 €1.480,00 €
2Verladung Köln (Stapler + Personal, 1,5 h)1 Psch.220,00 €220,00 €
3Entladung München (Hebebühne Lkw, 1 h)1 Psch.145,00 €145,00 €
4Treibstoff-Floater April 2026 (BAG-Index, separat ausgewiesen)1 Psch.62,00 €62,00 €
Summe netto1.907,00 €
Umsatzsteuer 19 % (B2B Inland §3a Abs. 2 UStG)362,33 €
Rechnungsbetrag2.269,33 €

Hinweis Maut: Die Maut für die Strecke ist kalkulatorisch in den Frachtpreis eingerechnet und damit Teil der umsatzsteuerlichen Bemessungsgrundlage. Geschätzter Maut-Anteil: ca. 131 € (580 km × ca. 0,2255 €/km EURO VI CO₂-Klasse 1). Die genaue Maut-Abrechnung erfolgt monatlich durch Toll-Collect direkt an unsere Spedition; eine separate Weiterberechnung an den Auftraggeber findet nicht statt.

Hinweis Auftraggeber-Status: Die Industrie GmbH Müller ist vorsteuerabzugsberechtigt. Die kalkulatorische Variante ist daher wirtschaftlich neutral – die in der Rechnung enthaltene Umsatzsteuer auf den Maut-Anteil wird vom Auftraggeber als Vorsteuer abgezogen.

Zahlungsziel: 14 Tage netto.

Was hier richtig läuft: Maut transparent erklärt (nicht versteckt), Schätzung des Maut-Anteils benannt, vorsteuerabzugsberechtigter Status des Auftraggebers begründet die Wahl, USt auf die Gesamt-Frachtleistung 19 %.

Maut Durchlauf oder kalkulatorisch in der Frachtrechnung

Vorlage mit zwei Maut-Modi, automatischer §10 Abs. 1 S. 5 UStG-Hinweistext, Toll-Collect-Beleg-Verknüpfung, Auftraggeber-Status-Erkennung. XRechnung und ZUGFeRD für gewerbliche Auftraggeber. Drei Rechnungen pro Monat dauerhaft kostenlos.

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BAG-Kontrolle: Was geprüft wird

Das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BAG) kontrolliert Mautpflicht und Mautabrechnung. Bei einer BAG-Kontrolle werden geprüft:

Auf der Strecke:

  • Mautgerät korrekt eingebucht (Fahrzeugklasse, Achsen, Schadstoffklasse, CO₂-Klasse).
  • Streckenverlauf entspricht der Buchung.

In der Buchhaltung:

  • Toll-Collect-Belege archiviert (mindestens 6 Jahre nach §147 AO).
  • Maut-Buchungen den Aufträgen zuordenbar (bei Durchlauf-Variante zwingend).
  • USt-Behandlung der Maut konsistent (Durchlauf oder kalkulatorisch, nicht gemischt für denselben Vorgang).

Bei BAG-Verstößen drohen Bußgelder bis zu 20.000 € pro Verstoß. Bei steuerlicher Inkonsistenz Nachveranlagung durch das Finanzamt – beide Behörden tauschen Daten aus, im automatisierten Kontrolldatenbank-Abgleich.

Wer als Spediteur hier sauber arbeitet, hat keinen messbaren Mehraufwand: die Toll-Collect-Software liefert die Belege automatisch, die Rechnungssoftware die Buchungen. Manuell wird es nur, wenn Auftrags-Zuordnung außerhalb des Standardflusses erfolgt (z.B. nachträgliche Korrekturen).


CO₂-Maut seit Juli 2024: Was sich geändert hat

Die im Juli 2024 eingeführte CO₂-Mautkomponente macht etwa 50-60 % der heutigen Mautbelastung aus. Für Fahrzeuge der EURO-VI-Schadstoffklasse:

CO₂-KlasseCO₂-Aufschlag pro km
Klasse 1 (höchste CO₂-Emission)ca. 0,158 €/km
Klasse 2-4ca. 0,107-0,138 €/km
Klasse 5 (geringste CO₂-Emission, ab 2026 erweitert)ca. 0,000 €/km (für emissionsfreie Lkw bis Ende 2025; ab 2026 ca. 25 % Standardsatz)

Wer als Spediteur 2026 noch keine emissionsfreien Fahrzeuge im Park hat, zahlt diese 0,15-0,17 €/km zusätzlich auf der CO₂-Achse. Bei einer 580-km-Strecke sind das 92 € CO₂-Maut – allein dieser Anteil treibt die Frachtpreise spürbar nach oben.

In der Rechnung kann der CO₂-Aufschlag separat ausgewiesen werden, muss aber nicht. Üblich: kalkulatorisch im Frachtpreis. Bei der Durchlauf-Variante steht der CO₂-Anteil in der Toll-Collect-Detail-Auflistung und wird 1:1 weitergegeben.


Edge-Case: Maut im EU-Ausland

Bei grenzüberschreitenden Strecken fällt Maut in mehreren Ländern an: Niederlande (Eurovignet plus Spezialmaut), Belgien (kilometerbasierte Maut Viapass), Frankreich (Mautautobahn-Streckengebühr), Italien (Autostrade-Maut), Polen (e-TOLL).

Pro Land entscheidet die Spedition:

  • Eigene Mautgeräte / Tankkarten (DKV, UTA, AS24): Sammelabrechnung möglich.
  • Manuelle Strecken-Erfassung: bei kleineren Volumen.

Die Durchlauf-Variante bei EU-Mauten ist komplex, weil die Belege in unterschiedlichen Sprachen und Formaten kommen. Die meisten Spediteure rechnen EU-Maut kalkulatorisch ein – Vereinfachung der Buchhaltung wiegt die Steuer-Vorteile der Durchlauf-Variante meist auf. Bei großen Volumen-Verträgen kann eine separate Maut-Pauschalverrechnung pro Land vereinbart werden.

Bei der EU-B2B-Reverse-Charge-Logik (siehe Pillar Speditionsrechnung Pflichtangaben HGB) ist die Maut Teil der Frachtleistung – netto Frachtpreis, USt-Verlagerung auf den Empfänger. Mehr zur internationalen Logik im Ratgeber CMR-Frachtbrief Spedition.


Praxis-Entscheidung: Welche Variante in welcher Situation

KonstellationEmpfehlung
B2B Inland, vorsteuerabzugsberechtigtKalkulatorisch (Standard)
Privatkunde InlandDurchlauf, wenn Maut > 5 % des Auftragswerts
Kleinunternehmer-Auftraggeber (§19)Durchlauf bei jeder Strecke mit Maut
EU-B2B Reverse-ChargeKalkulatorisch (in netto-Frachtpreis)
Drittland Export, steuerfreiEgal, beide Methoden gleich – kalkulatorisch einfacher
Mischflotte aus 2-Achs- und 5-Achs-LkwKalkulatorisch (Vereinfachung)
Hochvolumen-Spedition mit großen Maut-AnteilenDurchlauf bei Rahmenverträgen empfohlen
Bauhandwerker-Aufträge (Stundenzettel + Materialkosten)Kalkulatorisch in der An-/Abfahrt-Pauschale

Wer als Spediteur eine einheitliche Hauspolitik wählt, vereinfacht die Buchhaltung deutlich. Hybrid-Lösungen sind möglich, aber kosten in der Praxis mehr Verwaltungsaufwand als sie an Steuervorteil bringen. Für Hauspolitik in Richtung Durchlauf ist eine Software-Lösung nötig, die Toll-Collect-Belege automatisch pro Auftrag zuordnet.

Mehr zum Verhältnis Maut, Wartezeit und sonstigen Nebenkosten im Containerdienst-Spezial Containerdienst Rechnung Bauschutt und für ADR-Gefahrgut im Ratgeber ADR Gefahrgut Zuschlag Rechnung Kurier.

Vorteile

  • Durchlauf-Variante spart USt für nicht-vorsteuerabzugsberechtigte Auftraggeber
  • Kalkulatorische Variante ist einfach in Buchhaltung – Standard im B2B
  • Toll-Collect-Software liefert Belege automatisch pro Auftrag
  • CO₂-Aufschlag transparent ausweisbar – Umwelt-Argument für nachhaltige Logistik
  • BAG-Kontrolle bei sauberer Belegführung unauffällig

Nachteile

  • Durchlauf-Variante setzt §10 UStG-konforme Belege voraus – Verwaltungsaufwand
  • Kalkulatorische Variante kostet Privatkunden 19 % auf Maut-Anteil
  • Hybrid-Hauspolitik (Privat Durchlauf, B2B kalk.) erhöht Buchhaltungsaufwand
  • BAG-Bußgelder bei Inkonsistenz bis 20.000 € pro Verstoß
  • EU-Maut in Durchlauf-Variante praktisch komplex (Belege Multi-Land)

Häufige Fragen

Wann ist die Maut ein durchlaufender Posten nach §10 UStG?
Wenn der Spediteur die Maut im Namen und auf Rechnung des Auftraggebers verauslagt, keinen Aufschlag berechnet und sie auf der Rechnung separat als 'Durchläufer' ausweist. Voraussetzung: vertragliche Vereinbarung mit dem Auftraggeber, dass die Maut für ihn ausgelegt wird. Der Originalbeleg von Toll-Collect muss vorliegen und referenziert werden. Bei korrekter Anwendung keine USt auf die Maut.
Was bedeutet 'kalkulatorisch eingerechnet'?
Der Spediteur kalkuliert die Maut als Kostenbestandteil in den Frachtpreis ein. Die Maut wird Teil der USt-Bemessungsgrundlage und unterliegt voll der USt 19 %. Vorteil: einfache Buchhaltung, keine Beleg-Zuordnung pro Auftrag nötig. Nachteil: für nicht-vorsteuerabzugsberechtigte Auftraggeber (Privatkunden, Kleinunternehmer §19) teurer als die Durchlauf-Variante.
Welche Variante ist für meinen Auftrag besser?
Vorsteuerabzugsberechtigte B2B-Kunden: kalkulatorisch (einfach, wirtschaftlich neutral). Nicht-vorsteuerabzugsberechtigte Auftraggeber (Privatkunden, Kleinunternehmer): Durchlauf-Variante spart USt auf die Maut. Bei großen Maut-Anteilen (über 25 % des Auftrags): Durchlauf-Variante schafft Transparenz. EU-B2B Reverse-Charge: kalkulatorisch im netto-Frachtpreis.
Wie hoch ist die Maut 2026?
Abhängig von Schadstoff- und CO₂-Klasse: 4-Achs-Sattel EURO VI mit niedrigster CO₂-Klasse 1: ca. 0,225 €/km. EURO VI mit Standardklasse: 0,265-0,335 €/km. EURO V und schlechter: ca. 0,365 €/km. 2-Achs-Sprinter ab 3,5 t zGG: ca. 0,115-0,195 €/km je nach Schadstoffklasse. CO₂-Maut macht 2026 etwa 50-60 % der Gesamt-Maut aus.
Was prüft das BAG bei einer Kontrolle?
Auf der Strecke: korrekte Mautgerät-Einstellung (Fahrzeugklasse, Achsen, Schadstoff- und CO₂-Klasse), Streckenverlauf gemäß Buchung. In der Buchhaltung: Toll-Collect-Belege archiviert (mindestens 6 Jahre), Maut-Buchungen auftragsbezogen zuordenbar (bei Durchlauf-Variante zwingend), konsistente USt-Behandlung. Bußgelder bei Verstößen bis zu 20.000 € pro Fall. BAG tauscht Daten mit Finanzamt aus.
Was muss in der Rechnung stehen, wenn ich die Durchlauf-Variante nutze?
Klar separater Posten 'Maut durchlaufender Posten §10 Abs. 1 S. 5 UStG'. Hinweis, dass keine USt erhoben wird. Originalbeleg Toll-Collect referenziert (Beleg-Nr., Strecke). Vertragliche Grundlage benannt (Auftrag oder AGB). Die Maut steht außerhalb der Frachtleistungs-Bemessungsgrundlage, also nicht in derselben Position wie die Fracht.
Wie behandle ich Maut bei EU-Auslandstrecken?
Pro Land separat: deutsche Maut (Toll-Collect), niederländische (Eurovignet), französische (Streckenmaut Autoroutes), italienische (Autostrade), polnische (e-TOLL). Bei der Durchlauf-Variante: Belege jedes Landes archivieren und in der Rechnung referenzieren – komplex. Mehrheit der Speditionen rechnet EU-Maut kalkulatorisch ein, weil die Beleg-Vielfalt die Durchlauf-Vorteile überwiegt. Bei EU-B2B Reverse-Charge: Maut Teil des Netto-Frachtpreises.
Lohnt sich der Wechsel auf emissionsfreie Lkw wegen der Maut?
Wirtschaftlich ja: emissionsfreie Lkw zahlen bis Ende 2025 keine CO₂-Maut, ab 2026 etwa 25 % des Standardsatzes. Bei einer durchschnittlichen Jahres-Fahrleistung von 100.000 km und einer Maut-Differenz von 0,12 €/km zur höchsten CO₂-Klasse: 12.000 € Maut-Ersparnis pro Jahr und Fahrzeug. Plus Förderung über KsNI-Programm (Klimaschonende Nutzfahrzeuge Infrastruktur), das bis zu 80 % der Mehrkosten gegenüber Diesel-Fahrzeugen abdeckt.

Was Sie jetzt tun

  1. Hauspolitik definieren: einheitlich Durchlauf oder kalkulatorisch, dokumentiert in AGB.
  2. Toll-Collect-Software auftragsbezogen einrichten – Belege automatisch pro Frachtbrief.
  3. Auftraggeber-Status erfassen: vorsteuerabzugsberechtigt ja/nein in Stammdaten.
  4. Hinweistexte standardisieren: §10 Abs. 1 S. 5 UStG-Wording als Standard in Rechnungssoftware.
  5. CO₂-Klasse pro Fahrzeug im Stammdatensatz: für korrekte Maut-Kalkulation.
  6. BAG-Belege archivieren (mindestens 6 Jahre nach §147 AO), gemeinsam mit Frachtbriefen.

Maut-konforme Frachtrechnung mit Durchlauf-Logik

Vorlage mit zwei Maut-Modi, automatischer §10 Abs. 1 S. 5 UStG-Standardtext, Toll-Collect-Beleg-Verknüpfung, Auftraggeber-Status im Stammdatensatz. XRechnung und ZUGFeRD für gewerbliche Auftraggeber. Klassische Rechnungen, Angebote und Mahnwesen aus einem Tool.

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Stand: April 2026. Geprüft gegen §10 Abs. 1 S. 5 UStG, Bundesfernstraßenmautgesetz (BFStrMG), Mautsätze Stand April 2026. Mautsätze und CO₂-Klassifizierung Toll-Collect Stand März 2026 – können sich unterjährig ändern. Dieser Artikel ist keine Steuerberatung – Einzelfälle mit Steuerkanzlei oder Fachanwalt für Transportrecht klären.

Weiterführend:

Quellen: